Zum Geburtstag: Sibylla Schwarz

Die „pommersche Sappho“ feiert ihren 395. Geburtstag. Ein kurzes Wort zu Sibylla Schwarz.


Ein Freund ist das bäste / das man liebet

WAs wündscht die Welt doch mehr / was kan sie mehr begehren /
Alß wenn der Höchste ihr der Bitte wil gewehren /
wenn sie / durch Zuversicht / ihn fleissig ruffet an /
um einen treuen Freund / der viel uns dienen kan?
Ist man in Todes Noht / wird man mit tausend Plagen
gemartert und betrübt / wenn wihrs dem Freunde klagen /
so hilfft er uns so viel / alß er uns helffen kan /
wir nehmen / vor die Taht / von ihm den Willen an;
Und kan er uns nicht mehr in unsern Nöhten schüzen;
so mag ein guhtes Wort uns mehr als silber nüzen;
Ein Wort / ein guhtes Wort / das recht von Herzen geht /
das nicht nur wegen Zier allein zu loben steht /
ist besser noch als Gold / eß helt uns recht das Leben /
man stirbt auch ohne das / eh Gott die Zeit gegeben;
Drüm ist ein guhter Freund das beste das man liebt /
das höchste / das man wündscht / und dem man sich ergiebt;
Hab ich gleich nicht viel Gelt / hab ich gleich nicht viel Güter /
so lieb und halt ich hoch die Treue der Gemüter;
Wohl dem der üm und ümb kan bey den Freunden sein /
und sterben endlich auch in ihrer Augenschein.


Heute vor 395 Jahren, also am 14. Februar 1621 wurde die Schwärzin in Greifswald geboren. Sie war die Tochter des Bürgermeisters und damit ein recht privilegiertes Mädchen, das viel gelernt hat, was zu ihrer Zeit nicht so üblich war. Als sie 1638 starb, hinterließ sie eine Anzahl an Gedichten, die es so von einer Frau bis dahin in deutscher Sprache noch nicht gegeben hatte. Über viele Umwege und glückliche Zufälle sind sie bis heute erhalten geblieben.

Neben Gelegenheitsdichtungen, beispielsweise auf den Tod des Landesfürsten oder den Namenstag ihrer Freundin Judith, dichtete Sibylla Schwarz Liebeslyrik nach den Regeln, die Martin Opitz für das Dichten in deutscher Sprache aufgestellt hatte. Zu ihrer Zeit war die Dichterin damit sozusagen Avantgarde. 1627 erreicht der Dreißigjährige Krieg auch Greifswald und die unbeschwerten Kinderjahre finden ein jähes Ende. Der Krieg als Thema durchzieht nun auch die Gedichte. Statt jauchzender Liebe findet sich die Klage — auch über die Heirat der Jugendfreundin, die nun verloren ist. 1638 erkrankt die Dichterin plötzlich und stirbt sehr schnell mit nur 17 Jahren. Ihre Gedichte gelangen über den Lehrer Simon Gerlach nach Danzig, wo sie verlegt werden. Einer ihrer Leser war übrigens auch Simon Dach.

Trotzdem — wer nicht aus Greifswald kommt, kennt diese junge Frau nicht. Das Wohnhaus der Familie Schwarz steht heute noch, allerdings ist es in einem desaströsen Zustand. Es befindet sich in privater Hand und wird bis heute systematisch vernachlässigt und zerfällt immer mehr. Ein Verein von Interessierten hat sich gegründet, der sich nicht nur der Verbreitung der Schwarzschen Dichtkunst verschrieben hat, sondern auch dafür sorgen möchte, dass das Haus der Familie gerettet werden kann.

Mehr von Sibylla Schwarz kann hier nachgelesen werden.

 

2 Gedanken zu „Zum Geburtstag: Sibylla Schwarz“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.