Verschämtes Gericht: Wurstgulasch

Das einzig wahre Mensaessen. Nach der Uni ist aber nicht nach dem Wurstgulasch. Hier gibt es das Rezept zum Nachkochen.

Rezept Wurstgulasch

Vor einigen Tagen, als ich vor einem Teller mit einem totpanierten Seelachsfilet saß und über die geringe Qualität von Kantinenessen nachdachte, überkam mich mit einem Mal eine ungeheure Sehnsucht. Mensaessen hatte mich über die letzten Jahre überall hin begleitet. Von sehr gut (Rostock, Berlin) über ziemlich gut (Riga) bis ganz in Ordnung (Frankfurt Oder, Greifswald) war alles dabei. Mensaessen ist ja immer von einer zentralen Forderung geprägt: Viel für extrem wenig. Als Köchin muss man da sicher kreativ werden, um aus den wenigen Mitteln halbwegs leckeres und gesundes Essen zu machen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Wer östlich der Elbe studiert (hat), weiß, dass die Rezeptesammlung der ehemaligen DDR da einiges auf Lager hat, was Abhilfe schaffen kann — Hühnerfrikassee, Eierfrikassee, Milchnudeln oder Jägerschnitzel.

Die Krönung des Mensaessens aber bleibt ein Gericht, an dem einfach so wenig falsch zu machen ist, dass selbst ein blinder Koch ohne Geschmackssinn nicht viel versauen kann: Wurstgulasch. Die Bestandteile sind verschrien bis ethisch bedenklich. Jeder halbwegs denkende Mensch sollte zurückschrecken bei dem Gedanken an Fleischwurst oder Instantbrühe. Und trotzdem: Wurstgulasch ist und bleibt der Bausparvertrag unter den Mensa-Gerichten. Kennt jeder, ist eine sichere Nummer und im Preis-Leistungsverhältnis schmerzt es im Geldbeutel nicht so sehr.

Meine Zeiten an der Universität sind vorbei und damit leider auch der leichte Zugang zu einem gelegentlichen Teller Wurstgulasch zum Mittag. Wenn die Sehnsucht dann doch zu groß wird, muss ich mich eben selbst an den Herd stellen und diesen Klassiker der sparsamen Küche zaubern. Dabei darf es dann aber auch ein kleines bisschen edler sein, als im Mensa-Originalrezept.


  • 1 (Geflügel-)Fleischwurst
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Tomatenmark
  • 2 Tomaten
  • etwas Mehl
  • Gemüsebrühe
  • Paprikapulver
  • Salz
  • Pfeffer
  • etwas Zucker

Die Zubereitung ist unverschämt einfach. Im ersten Schritt wird die Zwiebel gewürfelt und in etwas Butter oder Margarine angebraten. Dazu wird die gewürfelte Fleischwurst gegeben. Etwas Mehl darüberstäuben und und unter Rühren anschwitzen. Anschließend wird das Tomatenmark in den Topf gegeben, peu á peu mit Gemüsebrühe aufgefüllt und gerührt, so dass eine Soße entsteht. Dann die gewürfelten Tomaten dazu, Paprikapulver nicht vergessen. Abschließend noch mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker abschmecken und etwas einkochen lassen. Fertig!

Alternativ kann auch eine geschnittene Gewürzgurke mit dazu kommen. Wieder andere Küchenheldinnen und – helden schwören darauf, dass das Gericht erst unter Zugabe von etwas Werder Gewürzketchup wirklich gut wird. Einigkeit dagegen herrscht bei der Nudelwahl: Nur Spiralnudeln kommen infrage.

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