Kazuki Kaneshiro: Go!

Eine Junge verliebt sich in ein Mädchen – ein klassischer Plot ganz aktuell.

Es ist ein klassischer Plot, wie ihn auch Shakespeare schon genutzt hat: Ein Junge verliebt sich in ein Mädchen, sie verliebt sich auch in ihn, aber die Gesellschaft will nicht, dass die beiden glücklich zusammenkommen können. So weit, so bekannt. Allerdings ist „Go!“ kein Stück von Shakespeare und auch kein europäischer Roman und nicht nur die Gesellschaft hat gegen eine Beziehung etwas einzuwenden.

Kaneshiros Protagonist nennt sich Sugihara und besucht eine japanische Oberschule. Er lernt hart, hat gute Noten. Trotzdem besteht zwischen ihm und seinen Mitschülern ein Unterschied, denn Sugihara besitzt nicht die japanische Staatsbürgerschaft. Sie gehören zu der großen Gruppe der Koreaner, die nach der Besetzung Koreas durch die Japaner nach Japan kamen und nach der Teilung Koreas dort blieben. Ihr Ansehen in der japanischen Gesellschaft ist gering, sie werden als Zainichi bezeichnet und gemieden.

Ausgerechnet also in den Zainichi Sugihara verliebt sich Sakurai – übrigens auch das nicht ihr richtiger Name -, ein Mädchen aus einer japanischen Oberschichtsfamilie. Sie sieht gut aus, ist gebildet, ihre Eltern geben sich künstlerisch und weltoffen. Dass Sugiharas „Makel“ zunächst überhaupt keine Rolle spielt, liegt am seltsamen Zusammentreffen der beiden auf der Geburtstagsparty eines gemeinsamen Freundes. Sie stellt keine Fragen, er gibt keine Antworten und die Romanze zwischen den beiden blüht auf.

Irgendwann aber verlang der dramatische Plot es, dass der Makel ans Licht kommt und eine Krise entsteht. So viel sei verraten: Es sind nicht Sakurais Eltern, die hier ausschlaggebend für den Wendepunkt sind, sondern Sakurai selbst, die sich klar darüber werden muss, wie sie mit ihren tief verwurzelten Vorurteilen umgehen will.

„Go!“ ist ein komischer und gleichzeitig tragischer Roman. Kaneshiro besitzt einen unglaublichen Wortwitz und kann großartig erzählen. Nie rutscht der Roman soweit in den Kitsch ab, als dass er in den Verdacht geraten könnte, doch nur ein weiterer Coming-of-Age-Fortsetzungsschmöker zu sein. Welche gefährlichen Konsequenzen die Vorurteile der japanischen Gesellschaft den koreanischen Menschen gegenüber haben können, zeigt eine tragische Nebenhandlung, die sich um Sugiharas besten Freund dreht.

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