Goethe! In Bildern!

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Graphic Novels sind für mich ein neues Ding. Bis auf eine Ausnahme haben sie mich nie interessiert (Neil Gaimans Sandman Slim). Vor einigen Monaten waren Graphic Novels, die sich mit Kulturschaffenden auseinandersetzen Thema im Literaturmagazin meiner Wahl, das diesen Büchern gleich mehrere Seiten einräumte. Neben der Graphic Novel zu Goethes Leben wurden auch einige andere erwähnt, so beispielsweise Johann Ulrichs Munch.

Nun aber also erstmal Goethe. Beim letzten Weimarbesuch im August musste natürlich auch ein Blick ins Haus am Frauenplan geworfen werden, allein schon deshalb, weil mein Begleiter ein großer Freund des Museumsshops ist. Zwischen all den Goethe-Lesezeichen, Kühlschrankmagneten und diversen Anthologien (Goethe und die Frauen, Goethe und Essen, Goethe und Erotik, demnächst wahrscheinlich auch Goethe und seine Schlafstörungen) fand sich diese hübsche Graphic Novel, die wir dann auch mitnehmen mussten. Allemal besser als ein Ginko-Lesezeichen.

Der Band vereint eigentlich zwei Teile, die hier zusammengefasst wurden: Zum Sehen geboren und Zum Schauen bestellt erzählen Goethes Leben von der Kindheit in Frankfurt bis zu seinem Tod in Weimar. Dass man dabei natürlich nicht alles in großer Breite darstellen kann, ist eigentlich klar. Aber es ist auch gar nicht nötig. Stattdessen bietet Goethe ein etwas anderes Konzept, das für mich völlig aufgeht. Episodenhaft werden Ereignisse aus dem Leben des Dichters erzählt und immer wieder auch mit seinen Werken verwoben. Besonders im zweiten Teil bietet die Graphic Novel einen Einblick in die Entstehung und den Inhalt des Faust, der hier immer mal wieder als Kommentar zu Ereignissen in Goethes Leben, zu seinen charakterlichen Eigenschaften und seinem Schaffensprozess zitiert wird. Und auch Schiller hat mit seinem Wilhelm Tell einen kurzen Auftritt. Die Freundschaft zwischen den beiden Dichtern dagegen wird nicht umfassend thematisiert. Nur eine kurze Zusammenfassung zwischen zwei Kapiteln klärt den Leser über die Jahre der Produktivität von Schiller und Goethe auf, bevor es actionreich mit dem Einfall der Napoleonischen Armee in Weimar weitergeht. Es sind Highlights aus Goethes Leben, die eher nach ihrem Unterhaltungswert ausgewählt worden zu sein scheinen und weniger nach ihrem Wert für das Werk des Dichters.Dass die beiden Bände von unterschiedlichen Künstlern stammen, kann nicht übersehen werden. Der erste Teil stammt vom Zeichner Christoph Kirsch, dessen Stil doch sehr niedlich wirkt und für mich deswegen hier nicht sehr gut funktioniert. Es fehlt ein wenig an Dynamik und einer übergreifenden Bildfolge. Der zweite Teil von Thomas von Kummant dagegen (ein Beispiel ist auf dem Bild in diesem Beitrag zu sehen) ist dynamischer, dunkler und auch beweglicher. Das Zusammenspiel von Werkzitat und biographischer Erzählung nimmt hier mehr Fahrt auf.

Goethe ist trotzdem ein kurzweiliges Büchlein geworden, das viele wichtige Ereignisse in der Biographie des Dichters aufgreift, grapisch verarbeitet und sicher für jeden Leser, der sich bisher noch nicht an diese Größe der deutschen Dichtung herangewagt hat, einen Erkenntnisgewinn bedeutet. Wenn die kurzen Ausschnitte aus dem Faust Lust machen, sich auch an das Werk selbst heranzutrauen, ist das natürlich ein netter Nebeneffekt. Nach diesem ersten Ausflug in die Welt biographischer Graphic Novels darf es für mich gern auch noch ein bisschen mehr sein. Ein kurzer Blick in das entsprechende Regal in der Buchhandlung meines Vertrauens zeigte auch schon eine recht große Auswahl, die die Entscheidung nicht eben einfacher macht. Was habt ihr gelesen? Was könnt ihr empfehlen?

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