Das Fahrrad und ich – eine Liebesgeschichte

Teil 1: Von der Nutzehe zur wilden Leidenschaft – wie alles begann.

Nach nur einem Jahr – und leider gerade dann, als ich sie für mich überhaupt erst entdeckte – verkündeten die Road Girls, dass sie als Club mit Mitgliedsbeiträgen und allem Pipapo aufhören. Die Begründung dafür ist, dass sich nicht genug zahlende Mitglieder gefunden hatten, um das Projekt tragfähig machen zu können. Das ist für mich sehr schade, denn meine Liebe zum Fahrrad war jahrelang eher brühwarm und ist gerade erst im letzten Jahr zu einer heißen Affäre geworden.

Die Mitgliedschaft in einem Club Rad fahrender Frauen wäre das Äquivalent zum ersten stabilen Ritual einer gut funktionierenden Langzeitbeziehung geworden. Wie es scheint, hatten es Frauen auf dem Fahrrad auch im Jahr 2016 nicht so einfach wie ihre männlichen Mitfahrer, zumindest dann, wenn sie in einer Gruppe fahren wollten. Den Einwand, frau könne sich doch auch bitte in einem Verein anmelden und dort regelmäßig in einer Gruppe trainieren lasse ich gern gelten. Allerdings gibt es da eben auch noch so Randfiguren wie mich, die darauf gar keine Lust haben und nur ab und zu gern etwas Gesellschaft hätten (Verpflichtungen, igitt!).

Unglaubliche Geschwindigkeit auf dem Damenrad!
Wie alles anfing

2016 also war das Jahr, in dem ich für mich das „sportliche“ Radfahren überhaupt erst entdeckt hatte. Vorher war das Fahrrad in meiner Welt vor allem ein Transportmittel, das mich in Greifswald mein ganzes Studium lang überall hinbrachte. Die Schrotthaufen, mit denen ich fuhr, kamen von ebensolchen Schrotthaufen oder aus 20. Hand. Es passte an ihnen kein Teil zum anderen, aber ein Körbchen war immer irgendwo dran und all meine Gefährte fuhren mich sicher zur Uni, in den Garten, ans Meer und auch ins Büro – Sommer wie Winter, bei Sonne, Regen, Sturm und auch Schnee. Das Fahrrad war eben ein Gebrauchsgegenstand – und mit genau dieser Grundhaltung wollte ich auch in Dortmund ein neues Rad kaufen.

Nach etwas Hin und Her kaufte ich dann im März ein Trekkingrad von Cube für einen recht vernünftigen Preis. Nicht zu teuer, nicht zu billig, definitiv keine Baumarktware und schnittig. Beim Fahren fühlte ich mich im Geschwindigkeitsrausch. Vorher war ich nie mit mehr als 20 km/h unterwegs. Im Mai folgte dann die Härteprüfung und ich legte mit diesem Rad die Strecke von Dortmund nach Bonn in 2 Tagen zurück. Mein Hintern war rohes Fleisch und mein linkes Knie überanstrengt. Schön war es trotzdem, aber ich merkte auch: Mit meinem Mann auf seinem Cyclocross konnte ich nur mit Mühe mithalten. Mein Fahrrad war eben wie ich beim Schulsportunterricht – ganz okay, aber für die Siegerurkunde nicht ehrgeizig genug.

Im September konnte mein Mann das Nörgeln nicht mehr hören und schenkte mir ein vorzeitiges Hochzeitsgeschenk. Es wurde ein schickes Fuji-Cyclocross, das sehr schnell den Namen „Sieglinde“ bekam und heute mein Liebling ist. Wir haben zusammen schon mehrere Hundert Kilometer geschafft und die Liebe wächst noch immer. Bergrauf, bergrunter, schnell, langsam, Sieglinde kann alles. Doch dann fiel der erste Schnee und so mancher frostige Tag kam. Sieglindes dünne Reifen haben zwar Profil, aber die Sicherheit fehlt. Zu Weihnachten also schenkte mir mein Mann dann ein Mountainbike, um mich bei jedem Wetter nach draußen beordern zu können.

Geparkt wie ein Profi!
Zarte Kontaktaufnahme

Am Ende des Jahres wurde zusammengerechnet. Insgesamt fuhr ich in meinem ersten Jahr des „sportlichen“ Radfahrens immerhin knapp 1.500 km in und um Dortmund. So gesehen ist das ja eine enorme Steigerung zu den wenigen Kilometern in Greifswald. Trotzdem ist in mir der Ehrgeiz gewachsen, in diesem Jahr 2017 mindestens doppelt so viele Kilometer zu fahren – am liebsten eben auch mal mit anderen Frauen. Eigentlich wollte ich doch gar keine Vorsätze für das neue Jahr schaffen, aber hier er nun doch und soll auch umgesetzt werden. Was dazu noch fehlt, ist also der Kontakt zu anderen verschrobenen Frauen, die keine Lust auf Vereinsregeln und Wettkampfatmosphäre haben, sondern einfach nur ihren eigenen Schweinehund überwinden wollen. Nach einiger Suche fand ich dann die Roadgirls, die sich jedoch wieder in Luft auflösten.

Seitdem suche ich weiter, nicht nur im Internet, sondern auch in der realen Welt. Im Freundeskreis schaue ich da jedoch ganz schön in die Röhre. Ja, eine kleine Tour könne man hin und wieder fahren, aber bitteschön nicht mehr als 20 km, mehr mache der Hintern nicht so mit. Mein Mann dagegen hat so gar keine Probleme und findet fix jemanden, dem er sich anschließen könnte, sei es über Freunde, über Strava oder mal eben über facebook.

Welche Möglichkeiten ich schon ausprobiert habe und wie die Reaktionen so waren, erzähle ich im zweiten Teil.

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