Dortmund – Greifswald: Eine Bahnfahrt in Notizen.

07:00 Uhr Dortmund.
Ich habe meine Wohnung noch nicht einmal verlassen, da weiß ich schon – es wird spannend. Der Verspätungsalarm informiert mich, dass ich mit dem vorgesehenen Zug nicht einmal pünktlich zum Hauptbahnhof komme. Gut, ich gehe früher los und nehme die alternative Verbindung.

08:20 Uhr, Dortmund-Hauptbahnhof
Natürlich kommt mein Zug zu spät. Das war noch nie anders und führt dazu, dass ich in aller Seelenruhe auch 5 Minuten vor der planmäßigen Abfahrt noch mal den Bahnsteig verlasse und ein paar Zeitschriften und Kaffee kaufen gehe. Ich verpasse diesen Zug sicher nicht.
Am Bahnsteig spannende Menschen: Ehepaar. Er, Ende 50, eine Horst-Lichter-Kopie mit blendend weißen Stöckchenbeinen und Sockensandalen. Sie, unscheinbarer Typ, Alter kaum zu schätzen, blondierte Dauerwelle. Sie freuen sich auf die Ostsee. Sie fahren nach Binz (Schön, wir sehen uns also länger.). Ob sie wissen, was ihnen bevorsteht?

08:30 Uhr, Dortmund Hauptbahnhof
Der Zug kommt, nur 5 Minuten verspätet. Allerdings gibt es Verwirrung, denn die Wagenreihenfolge ist heute mal genau umgekehrt. Die Lichter-Kopie ruft über den Bahnsteig: „Nee, ey, da war wieder ein Legastheniker am Werk!“ und rennt los. Betretene Blicke der Anwesenden, entschuldigender Blick der Ehefrau in alle Richtungen.

ca. 11:45 Uhr, im Bordbistro irgendwo hinter Hamburg
In Hamburg ist ein Mann eingestiegen, der mir jetzt gegenüber sitzt und sich sein zweites Bier bestellt. Tattoos, Piercings, Metalshirt, das ganze Programm. Er fragt sehr höflich, ob er die Steckdose belegen darf. Natürlich darf er. Ich bin überzeugt: Er ist einer von den Guten. Der Zugbegleiter teilt meine Auffassung nicht, wenn man von seinem Gesichtsausdruck und seinem „Na? Haben Sie eine Fahrkarte?“ ausgehen darf. Ungerührt wird eine Bahncard 100 auf den Tisch gelegt. Der Zugbegleiter bestellt sich erstmal Nürnberger Würstchen mit Sauerkraut.

13:30 Uhr, irgendwo hinter Rostock
Niemand, wirklich niemand, der am Meer oder auch nur in der Nähe dessen wohnt, würde einen Handyklingelton mit Möwengeschrei benutzen. Darüber werde ich mir zwischen lauter Familien in Ostseeurlaub-Vorfreude sehr schnell klar.

13:45 Uhr, irgendwo vor Velgast
Das Kind schräg gegenüber beginnt eine ausgiebige Turnstunde auf den Sitzen und im Gang. Es schwingt, es stampft, es hat lautstark Spass. Ich flüchte mich notgedrungen in Richtung der Toilette und wappne mich. Was sein muss, muss sein. Und es kommt, wie es kommen muss: Ich befinde mich wieder in den Fängen der Anti-Spüler (Liebe DB, bitte malt einen roten Kreis um den Spülknopf. Bitte!) Es scheint sich dabei um eine größere Bewegung zu handeln, deren Ziel vielleicht die Abschaffung aller Toilettenspülungen sein soll.

14:00 Uhr, Velgast
Ich frage mich jedes Mal, warum dieser Zug eigentlich hier hält. Und warum Velgast einen Fernverkehrsanschluss hat. Ich muss das endlich mal klären. Die Verspätung beträgt 6 Minuten – exakt die Zeit, die mir in Stralsund zum Umsteigen bleibt.

Velgast, Bahn, Menschen, Mecklenburg-Vorpommern Knapp das Schild verfehlt. Aber so sieht es aus, wenn man in Velgast einfährt. Schön hier.

14:09 Uhr, Stralsund
Bis zum Bahnhof sind es nur noch einige Hundert Meter. Der Zug steht. Keine Ansage. Ich bin kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

14:17 Uhr, Stralsund
Mein Gepäck und ich haben einen neuen Rekord im 50 Meter-Lauf aufgestellt. Anschluss bekommen, der Regionalzug rumpelt die letzten Kilometer nach Greifswald. Hallo, alte Hansestadt. Schön, dich zu sehen.

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