Das Fahrrad und ich – Teil III: Herausforderungen annehmen

Ich besiege den inneren Schweinehund und mich selbst und fahre das erste Mal mehr als 100 km an einem Tag.

Strava ist ein böses Instrument. Nicht nur, dass es mir gnadenlos sagt, dass ich an manchen Tagen die Schnelligkeit einer 100-jährigen Schildkröte besitze und mir auch noch unter die Nase reibt, wenn mich die Steigung wieder einmal in die Knie gezwungen hat, nein – es setzt mir auch noch ganz andere dumme Ideen in den Kopf. Diesmal ist es eine Challenge – ein Gran Fondo im April. Diese lockere Herausforderung besteht also darin, an einem Tag eine Strecke von 100 km zu bezwingen und danach noch in der Lage zu sein, das eigene Rad zumindest abzustellen und ins Bett zu wanken. Die Statistik weiß, dass ich das einmal schon fast geschafft hatte und 95 km gefahren bin. Was die Statistik nicht weiß, ist, dass ich danach eine Woche lang im Bett gelegen habe und nur langsam zur Arbeit humpeln konnte, weil die Sehnen in meinem Bein völlig überanstrengt waren. Das sollte mir nicht noch einmal passieren, sagte ich mir. Glücklicherweise ist seit dieser Katastrophe einige Zeit vergangen, die ich dafür genutzt habe, einfach viel mehr Fahrrad zu fahren. Deshalb war diese Herausforderung plötzlich gar nicht mehr so groß – und sollte sich dann doch noch als solche herausstellen.

Auf Bildern wird das Wetter auch nicht besser.

Am Karfreitag ergab sich dann endlich eine Gelegenheit. Freunde besuchten Verwandte in Kevelaer am Niederrhein. Von Dortmund bis nach Kevelaer spuckte mir komoot eine Strecke aus, die irgendwie machbar aussah. Quer durch das Ruhrgebiet, dann bei Walsum über den Rhein und durch die flache Landschaft am Niederrhein bis in die Wallfahrtstadt Kevelaer. Insgesamt also eine Strecke, die gut zu bewältigen ist, weil kaum Steigungen vorhanden sind, die überwunden werden müssen. Das Wetter hat glücklicherweise auch mitgespielt.

Gestartet sind wir bei 8 Grad und einem sehr grauen Himmel. Die ersten 40 Kilometer flogen geradezu vorbei und zeigten uns einen direkteren, aber trotzdem angenehmen Weg nach Essen, unter anderem auch über ein Stück des zukünftigen Radschnellweg Ruhr. Sollte der irgendwann endlich fertig sein, wird es eine Freude sein, quer durch das Ruhrgebiet zu fahren. Nach einer kurzen Frühstückspause ging es weiter nach Oberhausen, ein ganzes Stück entlang am Rhein-Herne-Kanal und weiter nach Duisburg am Enscherradweg entlang. Das Wetter wurde besser, endlich auch über 10 Grad.

Ein Schild, eine Prophezeiung

Der dritte Abschnitt war für mich der schwierigste. Nach einem Cruise durch Duisburg und dem Übersetzen der Fähre von Walsum nach Orsoy waren es noch ca. 35 Kilometer bis zum Ziel. Ich dachte, jetzt könnten eigentlich keine Überraschungen mehr kommen, am Niederrhein ist es flach. Aber auf unserem Weg gab es doch noch eine Steigung, die im Nachhinein natürlich lächerlich aussieht, sich aber auch noch mit dem passenden Ortseingangsschild „Alpen“ ankündigte. Ich gebe zu, dass ich hier fluchend eingeknickt bin und den kleinen Hügel zu Fuß hochgegangen bin.

Auf Kilometer 97 überfiel mich dann die Müdigkeit, ich hatte das Gefühl, keinen Kilometer mehr weiterfahren zu können. Alles schmerzte und mein Motivator hatte ganz schön zu tun, mich – den sturen Esel – von der Landstraße bis nach Kevelaer zu bekommen. Dafür war er auch stolz auf mich, als wir es dann endlich geschafft hatten. Belohnt haben wir uns mit einem guten Essen beim Italiener mit guten Freunden und einem todesähnlichen Schlaf in einem komfortablen Hotelbett. So fies, wie es sich zum Ende angefühlt hat, hat dieser Tag trotzdem in mir den Ehrgeiz geweckt, das Experiment noch einmal zu wiederholen, einfach weil ich jetzt weiß, dass ich es kann. Und natürlich habe ich auch die Hoffnung, dass es beim nächsten Mal etwas einfacher wird.

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