Ankommen.


Man soll in keiner Stadt länger bleiben als ein halbes Jahr.
Wenn man weiß, wie sie wurde und war,
Wenn man die Männer hat weinen sehen
Und die Frauen lachen,
Soll man von dannen gehen,
Neue Städte zu bewachen.Läßt man Freunde und Geliebte zurück,
Wandert die Stadt mit einem als ein ewiges Glück.
Meine Lippen singen zuweilen
Lieder, die ich in ihr gelernt,
Meine Sohlen eilen
Unter einem Himmel, der auch sie besternt.

Klabund

Wenn ich das Haus verlasse, habe ich noch immer das Gefühl, in ein völlig unbekanntes Land zu treten. Ich möchte in meiner Tasche ständig nach dem Stadtplan suchen, der mir sagt, wo ich hier eigentlich bin und vielleicht auch wohin ich denn will. Eine neue Stadt ist wie eine neue Liebe. Man lernt sich kennen, mit allen Schüchternheiten und Missverständnissen, die ein junge Liebe mit sich bringt.

Also gehe ich vor die Tür und laufe. Ohne Ziel und ohne großes Überlegen, einfach von einer Straße in die andere. Und staune und schaue – wie können Städte in einem Land so unterschiedlich sein? Die Beschaulichkeit Greifswalds fehlt mir hier. Keine Möwen, die am Himmel kreischen und auch kein stetiger Wind, der einen daran erinnert, dass das Wasser sehr nah ist. Stattdessen Überreste der Stahlindustrie, die wie Ungeheuer in der Landschaft herumstehen. Wenn ich sie mir wegdenke, könnte ich auch in Berlin sein. Ein riesiges Areal, auf dem noch nichts ist. Eine riesige Spielwiese.

Und auch die Menschen sind anders – nicht von der ruppigen Freundlichkeit der Berliner oder Wortkargheit der Pommern. Stattdessen begegnet mir hier eine Schnoddrigkeit, die ich so auch noch nicht gesehen habe.

Ich glaube, es könnte klappen mit uns beiden, Dortmund und mir.

3 Gedanken zu „Ankommen.“

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